Nachdem wir jahrelang unseren Urlaub im sonnigen Süden verbracht hatten, zog es meine Familie im vergangenen Jahr zum ersten Mal in die Berge. Besonders meine Frau Christiane und unsere beiden Söhne Philipp (11) und Dominik (13) freuten sich auf die Unberührtheit der freien Natur, auf abenteuerliche Wanderungen und ausgedehnte Picknicks unter freien Himmel.
Das Urlaubsziel war schnell gefunden: Wir entschieden uns für die Schweizer Bergwelt – und kamen auf Empfehlung einer Nachbarin in einer kleinen, familienfreundlichen Pension in Graubünden unter.
Wunderschön an einem Berghang gelegen, war es für uns die ideale Basis, um von dort aus unsere Ausflüge zu starten und die Umgebung zu entdecken.
Am Morgen des dritten Tages klagte meine Frau leider über Übelkeit und Unwohlsein und entschied, dass sie den Tag lieber mit einer Kanne Tee im Bett verbringen wollte, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Also zog ich mit den beiden Kindern alleine los, um einen echten Männertag in den Bergen zu verbringen.
Wir packten also etwas Proviant zusammen, informierten uns schnell über die geplante Route und machten uns sofort auf den Weg. Es war ein sonniger Tag und die Landschaft war einfach nur beeindruckend.
Die Kinder waren so aufgeregt, dass ich sie kaum bändigen konnte.
Sie rannten herum, versteckten sich hinter Bäumen und Felsen und fühlen sich auf wie auf einem Abenteuerspielplatz. Und dann passierte, was passieren musste:
Ich hatte für einen Moment nicht aufgepasst und die Schönheit der Berge genossen, als ich bemerkte, dass Philipp verschwunden war. Mein Jüngster war einfach vorgerannt und einen extrem steilen Berghang hinaufgeklettert, der noch dazu voller Geröll war. Da saß er nun auf einem Stein und winkte uns enthusiastisch zu. Ich war entsetzt. Und forderte ihn auf, sofort wieder hinunterzusteigen. Leider war das gar nicht so einfach. Der Abhang war so steil, dass Philipp es mit der Angst zu tun bekam - und beim Abstieg den Halt verlor. Alles was ich tun konnte, war zuzusehen, wie mein Sohn den Abhang hinunter purzelte. Zum Glück kamen wir noch einmal mit einem blauen Auge davon: Philipp verstauchte sich beim Sturz lediglich den linken Knöchel.
Der Ausflug nahm ein jähes Ende. Da mein Sohn nicht mehr richtig auftreten konnte, musste ich ihn den ganzen Weg nach Hause tragen. Wir waren erst ganz spät am Abend wieder zurück in der Pension. Meine Frau hatte sich schon Sorgen gemacht, wo wir denn bleiben.
Die Moral von der Geschichte? Bergtouren mit Kindern sollten immer gründlich vorbereitet werden. Dazu gehört zum Beispiel auch ein vernünftiges Schuhwerk und ordentliches Kartenmaterial. Außerdem ist es wichtig, Kinder über mögliche Gefahren aufmerksam zu machen und klare Regeln aufzustellen. Man sollte auch immer auf dem Pfad bleiben und nicht einfach querfeldein wandern. Viel zu schnell kann man sich dabei verlaufen.
Am besten, man informiert sich direkt bei Einheimischen vor Ort über verschiedene Wanderwege und Routen speziell für Kinder. Grundsätzlich gilt: Nicht die eigenen Fähigkeiten überschätzen. Denn Unfälle in den Bergen sind häufig auf Unerfahrenheit und Übermut zurückzuführen.
In diesem Sinne – Hals & Beinbruch!
Carsten Michaelis