Hamburg, 19. September 2007
- Umfassende Forschungsstudie über Generation 50plus
- Ende des Jugendwahns - Lebensmitte neues Ideal
- Das Leben im Alter wird zur großen persönlichen Herausforderung
- Unternehmensgruppe Deutscher Ring initiiert und ermöglicht umfassende Generationenstudie
Die Stiftung für Zukunftsfragen (ehemals: BAT Freizeit-Forschungsinstitut) legt ihre Forschungsstudie über die Generation 50plus vor. Initiiert und ermöglicht hat diese umfassende Generationenstudie die Unternehmensgruppe Deutscher Ring. Für die Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski und Dr. Ulrich Reinhardt die Möglichkeit, sich einer wachsenden und dennoch weitestgehend unbekannten Bevölkerungsgruppe zu widmen und ihre Forschungsergebnisse der vergangenen drei Jahrzehnte mit zu berücksichtigen.
"Trotz des demografischen Wandels weiß kaum jemand, wer sich hinter den unzähligen Begrifflichkeiten Senioren, Best Ager oder Generation 50plus verbirgt. Wie leben sie? Wovon träumen sie? Wie stellen sie sich ihre Zukunft vor? Für einen Versicherer bedeutet Zukunft gestalten nicht nur die Absicherung von Schadensfällen, sondern vielmehr die übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, um vorausschauend vorzubeugen und ausreichend vorzusorgen. Aus diesem Grund hat die Unternehmensgruppe Deutscher Ring diese Studie initiiert und ermöglicht", erklärt Wolfgang Fauter, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Ring.
Mitte des Lebens ist die attraktivste Zeit
Erstmals in der Geschichte zeichnet sich eine Verschiebung des idealen Lebensalters ab. Das Alter vom 25. bis 49. Lebensjahr, also die "Mitte des Lebens", löst das Lebensideal der Jugend zusehends ab. Nur für Jugendliche ist die Jugendzeit noch am schönsten und für junge Erwachsene die eigene Lebensphase zwischen 18 und 24 Jahren. Jeder vierte Erwachsene denkt bei der schönsten Lebensphase an das mittlere Erwachsenenalter. Zwischen 1997 und 2007 haben Kindheit und Jugend an Attraktivität verloren (minus vier Prozentpunkte). Ebenso die junge Erwachsenenzeit (minus ein Prozentpunkt).
Die stetig zunehmende Lebenserwartung hat zu einer Verdoppelung des Lebensalters in den letzten hundert Jahren geführt (Männer zurzeit: 76 Jahre, Frauen: 82 Jahre). Damit verändert sich auch die Einstellung zum Jungsein und Sich-jung-Fühlen grundlegend: Das gefühlte Alter koppelt sich immer mehr vom biologischen Alter ab. Und die Menschen wollen die Mitte des Lebens möglichst lange festhalten.
Die Generationenfrage stellt sich auch im Alter
Drei Profile dienen den Älteren als Leitmotive: die Familie, die Natur und der Kontakt zu anderen. Nachgeordnet folgen dann unterschiedliche Präferenzen. Im frühen Seniorenalter, also zwischen 50 und 64 Jahren, wird Genuss gesucht und das eigene Hobby gefunden. Die 65- bis 79-Jährigen verbringen ihre Zeit großteils in der Natur. Und die Hochaltrigen über 80 Jahren suchen Ruhe und Erholung in den eigenen vier Wänden und besuchen gerne den Gottesdienst.
"Die" ältere Generation gibt es demnach nicht. Zu unterschiedlich sind die Interessen, Biografien, Lebensstile, aber auch die Möglichkeiten. Dies bestätigt sich auch in den Antworten auf die Frage, zu welchem Lebensstil "sich die Älteren zugehörig fühlen". Die Antworten deuten auf ein vielfältiges Rollenspektrum im Leben hin: In der Familienrolle fühlen sich die über 50-Jährigen am wohlsten. Mehr als die Hälfte (55 %) bezeichnet sich selbst als Familienmensch. Vergleichbare Prioritäten setzt die mittlere Generation der 30- bis 49-Jährigen (50 %). Die zweitwichtigste Lebensorientierung älterer Menschen stellt die Nähe zur Natur dar. 47 Prozent der älteren bezeichnen sich als Naturliebhaber. Die dritte tragende Säule im Alter ist der Kontakt mit anderen Menschen (37 %). In Ergänzung oder als Alternative zur Familie werden Freundschaften gepflegt und ausgebaut mit Nachbarn, Kollegen und Bekannten.
Ab wann ist man heute alt?
Durch den demografischen Wandel hat sich inzwischen auch die Altersgrenze verschoben: Als "alt" gilt man in Deutschland erst mit 71,6 Jahren. 2003 lag diese Empfindung in Deutschland noch bei 67,9 Jahren.
Dennoch scheint das Altsein weder vom Wohlbefinden noch von den Lebensjahren abhängig zu sein. 49 Prozent der Deutschen sagen: Alt ist man, wenn man ein Pflegefall wird. Für 38 Prozent ist alt, wer starr und unflexibel wird, und für 33 Prozent, wer sich nutzlos fühlt.
"Die Wachstumsfelder der Zukunft sind die drei Generationen 50plus, 65plus und 80plus. Ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel steht unmittelbar bevor: Jugend wird Vergangenheit und Älterwerden eine Zukunftsinvestition", erklärt Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. Wer in Zukunft an dem Milliardenmarkt der neuen Senioren partizipieren wolle, müsse sich ihren Bedürfnissen anpassen und eine doppelte Dienstleistung erbringen: den erworbenen Lebensstandard sichern (z. B. mit Finanzdienstleistungen, Versicherungen oder Immobilien) und zugleich die ganz persönliche Lebensqualität verbessern helfen (z. B. durch Kulturangebote, Gesundheitsdienste und Reiseservice). "Atmosphäre, Ambiente, Service und Lebensqualität sind dabei zentrale Konsuminteressen der über 50-Jährigen. Was Fitness, Sun und Fun für die Jüngeren sind, stellen Sinn, Vitalität und Lebensfreude für die Älteren dar. Der Sinnfaktor ist für sie genauso wichtig wie der Spaßfaktor für die Jüngeren", so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski weiter.
Haus der Zukunft
Was ist im Leben wirklich wichtig? In erster Linie die eigene Gesundheit (98 %), Freundschaften (91 %) und Familie/Kinder (87 %) - nachgeordnet folgen Freizeit (79 %), Kultur und Bildung (72 %). Die Senioren wollen mit beiden Beinen im Leben stehen und frei von Sorgen sein, das ist für sie das höchste Glück. Vier Bereiche sind demnach für die Zukunftsvorsorge wichtig und wesentlich: Gesundheits-, materielle, soziale und mentale Vorsorge.
Gesundheitsvorsorge: Die eigene Gesundheit zu erhalten und zu fördern ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben - auch im Alter. Wer gesund ist, kommt leichter mit anderen in Kontakt und kann aktiv an der Gemeinschaft teilhaben.
"Die Veränderungen im Gesundheitswesen stellen jeden Bürger vor eine neue Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheitsvorsorge. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird sich weiter öffnen. Immer geringeren Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung stehen immer höhere Ausgaben für die Gesundheit gegenüber. Dem deutschen Gesundheitswesen steht demnach ein radikaler Strukturwechsel bevor: Der politische Appell an die Bürger, in Zukunft mehr Eigenverantwortung zu tragen, ist lediglich eine positive Umschreibung für die Notwendigkeit, mehr eigene Leistungen zu übernehmen", erklärt Dr. Ulrich Reinhardt, der Projektleiter der Generationenstudie. Die Bevölkerung hat dies erkannt und ist bereit, mehr für die eigene Gesundheit zu tun (40 %). Auch Sport ist für nahezu jeden Dritten (31 %) eine Möglichkeit, sich physisch fit zu halten.
Materielle Vorsorge: An die gesetzliche Rente glaubt mittlerweile nur noch eine Minderheit der Deutschen: Lediglich 13 Prozent vertrauen darauf, dass ihre Rente in Zukunft sicher ist. Vor allem die mittlere Generation im Alter von 35 bis 54 Jahren sieht pessimistisch in die Zukunft. Nur jeder Fünfzehnte (7 %) glaubt noch an die staatliche Rente - die große Mehrheit scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben, ihre Versorgung im Alter allein durch die gesetzliche Rente realisieren zu können. Zum Vergleich: 1997 war noch ein Viertel der Deutschen von der Sicherheit der Renten überzeugt. Die Deutschen haben erkannt, dass sie nur durch eine private Zusatzversorgung ihren gewohnten Lebensstil beibehalten und sichern können.
Soziale Vorsorge: Zwei von fünf Deutschen sehen die Erhaltung familiärer Bindungen als eine geradezu lebensnotwendige Vorsorgemaßnahme für das Alter an. Die Frauen legen etwas mehr Wert darauf als die Männer, die ländliche Bevölkerung mehr (43 %) als die Großstädter (32 %) und Paare (47 %) deutlich mehr als Singles (20 %). Für Menschen im Ruhestand ist die Familie die tragende Säule im Alter: 49 Prozent von ihnen legen Wert auf familiäre Bindungen. Die zweite wichtige Zukunftsinvestition für das Alter ist die Pflege des Freundeskreises: Fast alle Bundesbürger pflegen systematisch den Kontakt zu Freunden - nicht nur aus Freude am geselligen Leben, sondern auch und gerade mit dem Gedanken, dadurch etwas Dauerhaftes für das ganze Leben zu schaffen. Was sich im Alter vielleicht sogar "auszahlt" bzw. "rechnet". Denn die Pflege von sozialen Beziehungen zu Familie und Freunden lässt sich nicht nachholen.
Mentale Vorsorge: Sinnvolle Beschäftigung und geistige Forderung für das Leben nach der Berufstätigkeit: Für jeden sechsten Deutschen (17 %) sind daher Do-it-yourself-Beschäftigungen und für jeden Dritten das eigene Hobby mentale Vorsorge. Besonders Männer möchten sich im Ruhestand den Hobbys widmen.
Eine weitere Möglichkeit ist Lernen als individuelle Förderung und sinnvolle Beschäftigung. Lernen ist im gesamten Leben möglich - und findet auch statt. Senioren lernen nicht schlechter als junge Menschen, sie lernen anders. Der Lernerfolg wird hierbei durch verschiedene Faktoren beeinflusst: Gesundheitszustand, bisherige geistige Leistungen im Berufsalltag, Förderung sozialer Kontakte sowie Selbstbild der Älteren und ihre Selbsteinschätzung. Weiterbildung in Zukunft heißt auch im Alter, neue Erfahrungen sammeln und sich kritisch auseinandersetzen mit einer sich wandelnden Umwelt und Gesellschaft. Weiterbildung beinhaltet ebenso, sich selbst zu verändern und weiterzuentwickeln.
Altersträume
Die sogenannten Best Ager wollen mit beiden Beinen im Leben stehen und frei von Sorgen sein. Ihre wichtigsten Wünsche an die Zukunft lauten: geistig fit bleiben (100 %), sorglos und finanziell abgesichert sein (97 %) und dauerhafte Bindungen im Familien- und Freundeskreis erhalten (93 %).
Die ältere Generation will geistig nicht stehen bleiben, sondern in Bewegung sein, also mitunter lieber geistig anspruchsvolle Vorlesungen an der Universität besuchen (23 %) als sich bloß mit Stammtisch oder Kaffeekränzchen zufriedengeben (17 %). "Die materielle Sicherheit hat für die Älteren wenig mit Wohlstand oder der Anhäufung materieller Güter zu tun. Es geht mehr darum, frei zu sein von Geldsorgen und Existenzängsten: sorglos leben, also gut vorgesorgt haben, und finanziell abgesichert sein. Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration der Pflichterfüllung möchte eine neue Generation der Lebensfreude sein. Mit dem Lebensalter nimmt die Freude am Sich-wohl-und-frei-Fühlen deutlich zu. Die Träume vom guten Leben gleichen Wünschen mit Bodenhaftung. Die Älteren wollen sorglos mit beiden Beinen im Leben stehen. Das ist für sie das höchste Glück", unterstreicht der Wissenschaftler Dr. Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen.
In einer Gesellschaft des langen Lebens bekommt das Leben im Alter eine neue Qualität und wird zur großen persönlichen Herausforderung, wenn man sie als Zukunftschance versteht und zu nutzen weiß. "Das Leben im Alter gleicht sicher keinem paradiesischen Traum. Aber träumen muss man auch im Alter noch können. Die Altersträume von Menschen wirken wie ein Lebenselixier und stärken die Hoffnung, nicht umsonst gelebt zu haben. Ersetzt man das jugendliche Wort 'Ideale' durch 'Träume', kann man ganz im Sinne Albert Schweitzers sagen: Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Träume aber runzelt die Seele. Niemand wird alt, weil er/sie eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Träumen Lebewohl sagt", sagt Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski.
Über die BAT Stiftung für Zukunftsfragen
Die BAT Stiftung für Zukunftsfragen - ehemals BAT Freizeit-Forschungsinstitut - versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Öffentlichkeit und Politik. Mit seinen wegweisenden Zukunftsstudien hat sich der wissenschaftliche Leiter, Professor Dr. Horst W. Opaschowski, einen Namen als "Mr. Zukunft" gemacht. Er gilt als Visionär mit Augenmaß und Bodenhaftung und agiert als leidenschaftlicher Anwalt für eine Zukunftsgesellschaft, die auf Vertrauen, Verantwortung und Verlässlichkeit fußt. Schon frühzeitig hat sich das Institut Zukunftsfragen gestellt wie beispielsweise in den Studien "Wie leben wir nach dem Jahr 2000" (1988) oder "Deutschland 2010" (1997). Dr. Ulrich Reinhardt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der BAT Stiftung für Zukunftsfragen, ist Projektleiter der Generationenstudie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen darüber hinaus im Bereich des gesellschaftlichen Wandels, des Freizeit-, Konsum- und Tourismusverhaltens und der künstlichen Erlebniswelten. Dr. Reinhardt ist Mitglied in verschiedenen Beraterkreisen im In- und Ausland und Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Hochschulen.
Über den Deutscher Ring
Der Deutsche Ring, mit Hauptsitz in Hamburg, hat seinen Ursprung im Jahr 1913 und beschäftigt heute mehr als 1.700 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2006 betreute die Gruppe einen Bestand von etwa 2,8 Millionen Verträgen in den Bereichen Versicherungen, Bausparen und Kapitalanlagen. Damit gehört das Unternehmen zu den führenden Finanzdienstleistern, wenn es um Lösungen für die Alters-, Gesundheits- und Risikovorsorge von Privatkunden geht.
Über die Generationenstudie
2007 initiierte und ermöglichte die Unternehmensgruppe Deutscher Ring die umfassende Generationenstudie "Altersträume". Hintergrund war die Beobachtung, dass - trotz des demografischen Wandels - die Senioren, Best Ager, die Generation 50plus als Bevölkerungsgruppe gesellschaftlich und in der Forschung weitgehend unberücksichtigt bleiben. Es gibt unzählige Begrifflichkeiten, doch kaum jemand weiß, wer sich dahinter verbirgt. Wer sind sie? Wie leben sie? Wovon träumen sie? Wie stellen sie sich ihre Zukunft vor?
Die Kooperation der Stiftung für Zukunftsfragen und der Unternehmensgruppe Deutscher Ring ermöglichte die umfassende Generationenstudie: Dafür haben die Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski und Dr. Ulrich Reinhardt eine ganze Generation unter die wissenschaftliche Lupe genommen und dabei auch die Wünsche und Interessen der jüngeren Generation untersucht.
Mehr zur Generationenstudie sowie Informationen über die Herausforderung älter werden unter http://www.generationenstudie.de/
Zur Frankfurter Buchmesse wird die Generationenstudie im Primus Verlag (Darmstadt) erscheinen: Horst W. Opaschowski/Ulrich Reinhardt: Altersträume. Illusion und Wirklichkeit, mit einem Vorwort von Henning Scherf (ISBN 3-89678-361-5)
Kontakt:
Deutscher Ring
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kirstin Zeidler
Pressesprecherin
Tel.: +49 (0)40 35 99 - 27 37
BAT Stiftung für Zukunftsfragen
Dr. Julia Rombach
Tel. +49 (0)40 41 51 22 64